Viltrox 27mm 1.2 PRO – Lichtstark, scharf und ideal für die Streetfotografie (Review)

Viltrox 27mm 1.2 PRO – Lichtstark, scharf und ideal für die Streetfotografie (Review)

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf das Viltrox 27mm 1.2 PRO, ein Dritthersteller Objektiv, das sich als vielseitiges Werkzeug für passionierte Streetfotografen erweisen könnte.

INFO AM RANDE

Ich habe mir das Objektiv selbst gekauft. Der Inhalt dieses Reviews basiert also rein auf meinen persönlichen Eindrücken und Erfahrungen!

Die Straßen sind die Bühne, auf der sich das urbane Drama entfaltet und die Wahl des richtigen Objektivs ist entscheidend, um die Essenz dieser Momente einzufangen. Das Viltrox 27mm 1.2 PRO tritt in den Ring, um mit einer beeindruckenden Offenblende von 1.2, hoher Bildschärfe und einer robusten Konstruktion zu punkten. Doch wie schlägt es sich in der Praxis? Wir erkunden gemeinsam die Lichtstärke, die Bildqualität, die Balance an der Kamera und das Gewicht des Objektivs. Auch werfen wir einen kurzen Blick auf die Hintergrundgeschichte des Herstellers Viltrox. Los gehts !

40mm in der Streetfotografie – Macht das Sinn?

In der vielfältigen und dynamischen Welt der Streetfotografie, wo der Klick des Auslösers den Puls des urbanen Lebens einfängt, ist die Wahl der richtigen Brennweite von entscheidender Bedeutung – behaupten zumindest viele YouTuber. Traditionell schwanken die meißten Streetfotografen zwischen den beliebten 35mm und 50mm Brennweiten, wobei jede seine ganz eigenen Vorzüge und Herausforderungen mit sich bringt. (Anmerkung: Zur Vergleichbarkeit mit anderen Sensorgrößen habe ich die Brennweiten als Vollformat Äquivalent gerechnet) Doch was ist eigentlich mit den oft übersehenen, aber äußerst vielseitigen 40mm? Ist das die „goldene Mitte“?

Bei der Streetfotografie dreht es sich nicht nur das Festhalten des Augenblicks, sondern auch das Einfangen der Atmosphäre, der Energie und der Geschichten, die sich in den Straßen entfalten. 35mm bieten einen weiten Blickwinkel und erfasst das Umfeld großzügig. Auf der anderen Seite ermöglichen 50mm Brennweite eine etwas engere Fokussierung auf das Hauptmotiv, wodurch eine stärkere Isolation erreicht wird. Wenn du die Möglichkeit hast, dann vergleiche auch einfach mal den Effekt der gleichen Blende an unterschiedlichen Brennweiten. Je „länger“ deine Brennweite, desto höher ist auch die Freistellung und damit auch die Isolation deines Hauptmotivs gegenüber dem Rest (bei gleicher Blende).

Mit einer Brennweite von 40mm liegt das Viltrox 27mm 1.2 also irgendwie dazwischen. Etwas enger, als die klassische 35mm „Reportage-Brennweite“, aber dennoch ein kleines Stück weiter, als das 50mm Normalobjektiv. Und damit macht es die Aufnahmen für mich ein wenig spannender! Der dokumentative Charakter wird ein wenig reduziert, allerdings fokussiert man sich Gestalterisch noch immer eher auf eine Szene, als auf einzelne Personen.

Hinzu kommt die mittlerweile doch recht hohe Auflösung unserer digitalen Kameras. Das Croppen des Bildausschnitts von 40mm auf 50mm Äquivalent fällt nur wenig ins Gewicht bzw. ist für mich durchaus akzeptabel. Auch der Bildlook ändert sich nicht mehr derart grundlegend. Vergleicht man zum Beispiel Bilder, die mit einem 35mm entstanden sind mit denen, die durch ein 50mm geschossen wurden, ergibt sich doch ein recht deutlicher Unterschied.

Im Kontext des Pareto-Prinzips könnte die 40mm Brennweite als der optimale Kompromiss für den Großteil der Streetfotografen betrachtet werden. Sie bietet genügend Weitwinkel, um den Kontext zu erfassen, und genügend Tele, um das Hauptmotiv zu betonen – eine Art „Best of Both Worlds“. Dieser Mittelweg ermöglicht es dem Fotografen, sich flexibel an verschiedene Szenarien anzupassen, von belebten Straßenmärkten bis hin zu ruhigen Hinterhöfen.

Insgesamt bietet eine Brennweite von 40mm nicht nur einen technischen Kompromiss, sondern auch eine ästhetische Balance. Streetfotografie ist schließlich nicht nur Technik, sondern auch eine kreative Ausdrucksform. Mit den 40mm des Viltrox 27mm 1.2 können Fotografen die Dynamik der Straße einfangen, ohne sich auf einen extremen Blickwinkel oder eine stark isolierte Perspektive zu beschränken.

Blende 1.2: Lichtstärke, die begeistert

In der Streetfotografie ist das Spiel mit Licht und Schatten häufig genauso entscheidend wie der Moment selbst. Hier kommt die große Blendenöffnung ins Spiel und erweist sich nicht nur als Helfer in der Nacht um den ISO Wert niedrig zu halten, beziehungsweise die Verschlusszeit zu verkürzen und damit verwacklungsfreie Bilder in der Dämmerung aus der Hand zu knipsen. Eine maximale Blendenöffnung, wie sie das Viltrox 27mm 1.2 bietet, eröffnet damit für viele Fotografen neue Möglichkeiten für kreative Ausdrucksformen.

Die Philosophien in der Streetfotografie sind so vielfältig wie die Städte, in denen die Bilder entstehen. Einige Fotografen bevorzugen die „Decisive Moment“-Philosophie, die darauf abzielt, den perfekten Augenblick einzufangen, während andere sich auf die Atmosphäre und Stimmung der Straßen konzentrieren. Die große Blendenöffnung bietet eine variable Möglichkeit, diese unterschiedlichen Ansätze zu vereinen.

Besonders faszinierend ist die Nutzung der großen Blendenöffnung, um Menschen unkenntlich zu machen. Durch die selektive Fokussierung auf bestimmte Elemente im Bild, unterstützt durch eine geringe Tiefenschärfe, können Gesichter und Identitäten geschickt verschleiert werden. Dies eröffnet eine ethisch anspruchsvolle, aber künstlerisch spannende Dimension, die zumindest meine Streetfotografie in eine neue Richtung lenkt und mir das ein oder andere zusätzliche Bild auf der Speicherkarte ermöglicht.

In den Abendstunden und in den nächtlichen Straßen der Stadt werden die Vorteile einer großen Blendenöffnung besonders deutlich. Die Straßenlaternen werfen warmes, diffuses Licht auf die Szenerie und die offene Blende ermöglicht es, dieses Licht effektiv einzufangen. Die Bilder erhalten eine natürliche Atmosphäre, die den urbanen Charakter der Szene unterstreicht. Der Fotograf kann mit gezielter Unschärfe spielen und so eine emotionale Tiefe schaffen, die die Dynamik der Nacht einfängt. Durch die geringe Schärfentiefe ergibt sich diese als zusätzliche Gestaltungsmöglichkeit zur Elementen wie der Bewegungsunschärfe.

Scharfzeichnung in jeder Szene

Die optische Qualität eines Objektivs ist das Herzstück jeder fotografischen Erfahrung und das Viltrox 27mm 1.2 PRO hat mich in diesem Aspekt sehr angenehm überrascht! Nach meinen ersten Tests kann ich ohne Zweifel sagen: Das Viltrox 27mm 1.2 PRO steht in Sachen Schärfe auf Augenhöhe mit dem renommierten Fujifilm 33mm 1.4, und das zu einem deutlich günstigerem Preis! Anzumerken ist allerdings, dass mir die Farbwiedergabe des Fujifilm Objektivs doch ein wenig besser gefällt!

Verglichen mit dem Fujifilm 33mm 1.4, einem Schwergewicht in der Branche, bleibt das Viltrox 27mm 1.2 PRO nicht zurück. In vielen Aspekten empfinde ich die beiden Objektive als ebenbürtig, vor allem was die Bildschärfe betrifft. Diese Feststellung wird umso beeindruckender, wenn man den erheblichen Preisunterschied zwischen den beiden berücksichtigt. Das Viltrox 27mm 1.2 PRO bietet eine erstklassige optische Leistung zu einem erschwinglichen Preis, was es zu einer äußerst attraktiven Option für Fotografen macht, die keine Kompromisse bei der Qualität eingehen wollen.

Darüber hinaus zeigt das Dritthersteller Objektiv eine beeindruckende Leistung schon bei Offenblende, was die Vielseitigkeit in unterschiedlichen Lichtsituationen unterstreicht. Ob bei Tageslicht oder in den dunklen Stunden der Nacht – die optische Qualität des Viltrox 27mm 1.2 PRO bleibt relativ konstant und liefert beeindruckende Ergebnisse. Es ist ein Objektiv, das meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sie übertrifft und dabei die finanzielle Belastung minimiert. (Ich Sparfuchs!)

Was man an dieser Stelle allerdings durchaus erwähnen sollte – die Bilder sind „sauber“, fast klinisch sauber. Wirklich viel Charakter hat das Dritthersteller Objektiv, das aktuell noch exklusiv für den Fujifilm X-Mount verfügbar ist nicht. Wer nach optischen Spielereien, wie beispielsweise einem „Bubble-Bokeh“ giert, wird hier definitiv nicht fündig und sollte sich anderweitig umsehen.

Größe und Gewicht: Everything comes at a cost

Die solide Konstruktion des Viltrox 27mm 1.2 PRO ist kaum zu übersehen und trägt selbstverständlich nicht unerheblich zu einem Gewicht bei, das im Vergleich zu manch anderem Objektiv beachtlich ist. Das Gehäuse, aus hochwertigem Metall gefertigt, verleiht dem Objektiv eine gewisse Robustheit und ein wertiges Gefühl. Diese massive Bauweise ist ein Indiz für die Qualitätsansprüche, die Viltrox bei der Herstellung verfolgt.

Nur so zum Vergleich:

  • Gewicht Viltrox 27mm f 1.2 PRO: ~560 g
  • Gewicht Tamron 17-70mm f 2.8: ~ 530 g
  • Gewicht Fujifilm XF 33mm f 1,4 LM WR:  ~360 g
  • Gewicht Fujifilm XF 27mm f 2.8 R WR: ~  84 g

Die maximale Offenblende von 1.2 bringt jedoch (oh Wunder!) eine weitere Herausforderung mit sich – das Gewicht (denn im Vergleich zu Plastik bringt Glas doch ein paar Gramm auf die Wage!). Das Objektiv erfordert eine beträchtliche Menge Glas, um eine so große Blendenöffnung zu ermöglichen. Im Vergleich um leichtgewichtigen Fujifilm 27mm 2.8 ist das Dritthersteller Objektiv von Viltrox also deutlich schwerer. Für Fotografen, die eine leichte und kompakte Ausrüstung bevorzugen, könnte dies ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung gegen das hier vorgestellter Objektiv sein.

Review - Viltrox 27mm f1.2 PRO an Fujifilm X-T5

Die Kombination des Viltrox 27mm 1.2 PRO mit kleinen Fujifilm Kameras wie der X-E4 könnte aufgrund des Gewichts ebenfalls weniger ideal sein. An einer X-T5 oder X-H2 hingegen, wo sich die Gewichtsverteilung besser ausbalanciert, liegt die Kombination angenehm in der Hand. Die Entscheidung für dieses Objektiv sollte daher auch im Kontext der bevorzugten Kamera und der individuellen fotografischen Bedürfnisse getroffen werden.

Gewichtstechnisch sind wir auf „Augenhöhe“ mit einem universellen Zoom und guter Offenblende, wie dem Tamron 17-70mm f 2.8. Ob das für dich jetzt positiv oder negativ ist, musst du selbst entscheiden. Ob beide ständig gemeinsam in meiner Fototasche landen wage ich aktuell noch zu bezweifeln.

Viltrox als Hersteller für Fujifilm X-MOunt Objketive

Wenn es darum geht, die Seele eines Objektivs zu verstehen, wirft ein Blick hinter die Kulissen auf den Hersteller Viltrox ein interessantes Licht auf das Viltrox 27mm 1.2 PRO. Das Unternehmen, mit seinem Sitz in China, hat sich in der Fotobranche einen Namen gemacht und stellt sich als ernst zunehmender Player im Markt der Dritthersteller Objektive für den Fujifilm X-Mount dar.

Während das Unternehmen anfangs eher versuchte bewährtes zu kopieren und in erster Linie auf die sehr preisbewusste Gruppe an Fotografen zuzuschneiden, die dennoch ein eher Lichtstarkes Objektiv suchten, geht man mit dem 27mm und dem 75mm PRO neue Wege. Mit diesen letzten beiden Objektiven (beide für den Fujifilm X-Mount erschienen) spricht man bewusst die PROsumer und auch ein wenig die PROfessionellen Fotografen an. Außerdem hat keines der beiden genannten Objektive ein 1:1 Pendant im Fujifilm X-Mount.

Mittlerweile gibt es das 75mm 1.2 PRO auch für andere Bajonette, wie beispielsweise SONY und Nikon zu haben. Das 27mm wird sicherlich bald folgen!

Im Vergleich zu anderen Drittherstellern aus China, wie beispielsweise 7Artisans oder TTArtisans, hat Viltrox ausschließlich elektronisch kontaktierte Linsen im Programm. Das Thema Wetterschutz hingegen ist erst mit der „PRO“ Reihe in den Objektivpark von Viltrox eingezogen. Ob wir hier auf gleichem Level wie beispielsweise die original Fuji Objektive liegen – das wage ich nun einfach mal zu bezweifeln. Ich wäre jedenfalls vorsichtig.

Der Deutschland-vertrieb ist über die Marke Rollei organisiert – das ist mir zumindest lieber als die Alternative (bei einem Chinesischen Händler auf eBay bestellen).

Steht „PRO“ wirklich für professionelle Fotografen?

Eine Frage, die ich mir schon alleine beim Lesen des Labels gestellt hatte… Ich würde schon sagen, dass sich die „PRO“ Linie von Viltrox primär an Pro-Sumer oder (Semi-) Professionelle Fotografen richtet. Qualtitiv liegen wir mit dem hier getesteten Objektiv zwar noch nicht ganz auf der Höhe der nativen „Red-Badge“ Optiken von Fujifilm. Dennoch: Für ein Dritthersteller Objektiv liefern die genannten Linsen schon recht ordentlich ab!

Für den Professionellen Einsatz könnte ich mir vorstellen, dass das Objektiv gerne noch ein wenig leichter sein könnte, der Autofokus einen Tick schneller, viele Kleinigkeiten eben.

Technische Daten

LichtstärkeF/1.2
Naheinstellung28 cm
AutofokusJa
StabilisiertNein
AnschlussFUJIFILM X-Mount
Filtergewinde67 mm
EXIF-DatenJa
Linsen (Gruppe/Linsen)11/15
Kleinste Blende16
Blendenlamellen11
Maße9,2 x 8,2 x 8,2 cm
Gewicht560 g

Das Viltrox 27mm 1.2 PRO in der Streetfotografie: Meine ersten Erfahrungen

Das Dritthersteller Objektiv „Viltrox 27mm 1.2 PRO“ für den Fujifilm X-Mount habe ich nun seit ca. 2 Wochen in meiner Fototasche. Nun stellt sich die Frage: „Wird es dem Hype gerecht?

Klare Frage, aber eine nicht ganz so klare Antwort!

Zunächst einmal: Ja, ich mag das Objektiv. Und ja, ich werde es auch behalten!

Was aber dennoch ein kleines Manko an der Linse ist – dessen ich mir aber schon vor meinem Kauf bewusst war – ist die Größe und das Gewicht. Denn eines muss man definitiv festhalten: Das Objektiv fällt auf! Wer also gerne „undercover“ Fotografiert, der könnte hier durchaus enttäuscht werden. Für eine Festbrennweite hat man hier schon einen ziemlichen Klopper an seinem Kamerabody hängen.

Das war’s aber schon mit dem Negativen! Der Autofokus sitzt (wenn er auch ein wenig langsamer, als an meinem Fujifilm 23mm f2 ist) mit einer sehr hohen Treffsicherheit. Gemessen an den massiven Linsen-Elementen, die der Fokusmotor bewegen muss, geht die Geschwindigkeit definitiv in Ordnung. Die Bildqualität ist über jeden Zweifel erhaben.

Brauche ich eine Blende 1.2 in der Streetfotografie? Naja…. um ehrlich zu sein: Genau genommen, nicht! Macht es Spaß, die Blende hin und wieder so weit zu öffnen? JA! Erleichtert mir die niedrige Anfangsblende Aufnahmen in der Dämmerung? Definitiv!

Für mich ist das Objektiv definitiv eine Bereicherung – ob es auf jedem Fotowalk in der Tasche laden wird, kann ich heute noch nicht sagen. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings sehr hoch! Dazu kommt, dass mir die Brennweite von 40mm KB sehr gut gefällt.

Beispielbilder

Fazit: Warum das Viltrox 27mm 1.2 PRO für Fujifilm X-Mount eine Empfehlung wert ist

Endlich mal ein Dritthersteller Objektiv mit Blendenring! Es eignet sich für viele fotografische Disziplinen – von der Portraitfotografie bis zur Straßenfotografie. Letztere allerdings bedingt durch die doch wahrnehmbare Größe und das Gewicht mit gewissen Einschränkungen. Durch die maximale Offenblende von f/1.2 lassen sich Motive mehr als ausreichend gut freistellen. Für den professionellen Porträt-Fotografen wäre je nach Art des Portraits das 75mm 1.2 wohl noch einen Blick wert. Zieht man jetzt noch einen zu erwartenden Straßenpreis von ca. 500Euro in Betracht, gibt es eigentlich nicht mehr viel zu überlegen.