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Die Fotoausrüstung macht keinen Unterschied – oder doch?

8 Minuten Lesedauer

Fang heute damit an, dir über deine Fotoausrüstung Gedanken zu machen!

Manch einer wird sich gleich zu Beginn fragen: Hat der sie noch alle? – Alle anderen sagen mir doch ständig, dass die Fotoausrüstung völlig egal ist!

Nun ja – weil das eben meine ganz persönliche Meinung zu diesem Thema ist, aber lasst mich ein wenig weiter ausholen.

Beginnen wir mit einem kleinen Gedankenspiel:

Stell dir vor, du möchtest mit dem Gravel-Biken anfangen und kaufst dir dafür dein erstes Bike.

Stell dir nun folgende Fragen:

  • Ist die Marke wichtig?
  • Hat das Alter einen Einfluss?
  • Hat die Schaltung, der Vorbau, … einen Einfluss?

Wahrscheinlich wirst du (fast) alle dieser Punkte mit „NEIN“ beantworten.

Viel wichtiger ist doch, dass du viel mit dem Bike fährst, sich deine Kondition verbessert und auch viel Spaß an deinem neuen Hobby hast – richtig?

Ein Großteil aller technischen Eigenschaften wird (gerade für Neulinge) kaum einen Einfluss auf deine Resultate haben.

Aber: Die Haptik deines Equipments wird sehr wohl einen großen Einfluss auf dein neues Hobby haben!

Vergiss erst mal die ganzen Datenblätter, Diagramme und die technischen Teile der Kameratests und fokussiere sich auf die Haptik, das Look & Feel deiner neuen oder bestehenden Ausrüstung.

Es ist zwar (weitestgehend) absolut unerheblich, mit welcher Marke du fotografierst, wie viele Megapixel dein Modell dir bietet und was dir deine Fotoausrüstung sonst noch an netten Spielereien offeriert. Hör also ruhig erstmal auf, dir darüber Gedanken zu machen!

Machen wir mit einem für mich sehr wichtigem Zitat weiter:

Die beste Kamera ist die, die du dabei hast!

Alte Fotografen-Weisheit

Da haben wir den Salat!

Zurück zu unserem Gedankenspiel:

Als Anfänger wirst du wohl noch keine mehrtägige Tour fahren, aber wie kommst du dahin?

Richtig: Mit viel Zeit auf dem Bike!

Und wie erreichst du die?

Sicher nicht, wenn dir dein Bike zwei Nummern zu groß, der Sattel unbequem, die Übersetzung die falsche, (…) ist!

Also fassen wir nochmals kurz zusammen: Deine Fotoausrüstung MUSS dir Spaß machen!

Unsere Kamera-Träume

Jeder von uns kennt das:

  • Wenn ich doch nur eine andere Kamera hätte…
  • Mit so einer Kamera würde ich bessere Fotos machen…
  • Hätte ich doch nur noch dieses eine Objektiv!

Betrachten wir diese Aussagen mal ganz wertfrei.

Mit nahezu jeder Kamera, die in den letzten 10 Jahren auf den Markt gekommen ist, kannst du großartige Fotos machen – und auch weniger großartige. Sogar mit aktuellen Smartphones lassen sich mittlerweile durchaus respektable Fotografien aufnehmen.

Häufig sind die obigen Aussagen geprägt von Datenblättern und Werbeversprechen, das legen wir jetzt mal alles zur Seite und rufen uns erneut eine klassische „Fotografen-Weisheit“ ins Gedächtnis:

Nicht die Kamera macht das Foto. Der Fotograf macht das Foto!

Alte Fotografen-Weisheit

Hör auf, dir über technische Details deiner Fotoausrüstung Gedanken zu machen!

Es gibt zum einen hunderte Dinge, die du unternehmen kannst, um bessere Fotos zu machen.

  • Setze dich mit Bildgestaltung auseinander und finde heraus, was großartige Fotos ausmacht
  • Verstehe die Einstellungen und höre auf, alles im Automatik-Modus zu fotografieren
  • Lerne Bildbearbeitung
  • Nimm dir bewusst Zeit für dein Foto
  • Setze dich mit allem rund uns Licht auseinander
  • Spare Geld beim Kauf von Fotoausrüstung und investiere in einen Coach, lese Bücher, …

Und am allerwichtigsten:

Runter vom Sofa und nimm deine Kamera in die Hand!

Lassen wir es uns an dieser Stelle nochmal auf der Zunge zergehen:
Jede (!!!) Kamera, die in den letzten 10 Jahren auf den Markt geworfen wurde, jedes aktuelle Smartphone ist aus rein technischer Sicht den Mitteln der alten Fotografiemeister (z. B. Ansel Adams) um Lichtjahre voraus. Trotzdem macht keiner von uns „bessere“ Fotos als diese alten Knaben.

Auf jeden Fall aber kümmern sich die Menschen zu viel um die fotografische Technik und zu wenig um das Sehen.

Henri Cartier Bresson

Der einzige Punkt, der bei deiner Kamera nicht egal ist

Mittlerweile kann man sogar Handykameras in einem (halbwegs) manuellen Modus nutzen – dafür gibt es meist bestimmte Apps. Manche (z. B. die neueren iPhones) unterstützen sogar RAW Fotografie.

Freiburg | Gasse in S/W | Fotografiert mit einem iPhone
Freiburg | Gasse in S/W | Fotografiert mit einem iPhone

Und ganz ehrlich – eine Kamera im manuellen Modus nutzen zu können, ist schon mal die halbe Miete.

Du musst mit deiner Kamera umgehen können – und auch wollen!

Wenn du das manuelle Fotografieren sowieso nicht lernen willst, ist das vollkommen in Ordnung. Dann bleibe aber entweder bei deiner Handykamera, oder lege dir maximal eine einfache „Point & Shoot Kamera“ zu.

Behalte aber bitte im Hinterkopf: Bilder im Automatik-Modus sind IMMER ein Zufallsprodukt.

Denn hier triffst nicht du sämtliche Entscheidungen, sondern deine Kamera nimmt dir hierbei einen nicht ganz unerheblichen Teil der Bildgestaltung ab. Denn je nach Situation haben gerade die Wahl von Blende und Verschlusszeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf das finale Bild.

Welcher Punkt ist aber nun nicht egal?

Deine Fotoausrüstung MUSS dir Spaß machen!

Warum, ist eigentlich schon offensichtlich:

Kein Spaß Spaß
Man bleibt Zuhause Fotografieren gehen macht dir Spaß
Tendenz zum Knipsen, viele Fotos in kurzer Zeit Du nimmst dir Zeit
Du quälst dich von der Couch Man fällt Abends glücklich auf die Couch
Denke selber mal ein paar Minuten darüber nach!

Diese Gedanken solltest du dir über deine Fotoausrüstung machen

Jetzt aber „Butter bei die Fische“! Worüber solltest du dir bei deiner Ausrüstung Gedanken machen, wenn schon der Großteil der Datenblätter völlig irrelevant ist?

Solange du keine Astrofotografie betreibst, sind es die nächsten drei Fragen, die du dir näher betrachten solltest.

Was möchte ich eigentlich fotografieren?

  • Fotografierst du gerne im Urlaub oder auf der Straße?
  • Möchtest du gerne „unbeobachtet“ Fotografieren?

Dann sollte deine Ausrüstung wohl eher möglichst klein und portabel sein

  • Fotografierst du lieber Menschen im Studio, beispielsweise Portraits?
  • Oder vielleicht Produkte?
  • Fotografierst du in erster Linie Sport oder Events?

Dann spielt die Größe deiner Ausrüstung wohl eher eine untergeordnete Rolle.

  • Hast du deine Kamera über viele Stunden in der Hand (Familienfeiern, Hochzeiten)

Dann lege etwas mehr Augenmerk auf das Gewicht

Passt meine Kamera zu mir?

  • Fühlst du dich mit deiner Kamera wohl?
  • Kommst du mit den Einstellmöglichkeiten zurecht?
  • Erreichst du alle Knöpfe und Schalter?
  • Wie wichtig ist dir das Aussehen?
  • Liegt die Kamera gut in der Hand?

Bei mir persönlich spielt beispielsweise das Look & Feel meiner Kamera eine zentrale Rolle. Deshalb lege ich großen Wert darauf, wie sich die Köpfe anfühlen, dass das Gehäuse gut verarbeitet ist, mir das Design auch optisch gefällt. Ich bin ein großer Fan von „echtem Metall“ – Plastik löst bei mir häufig eine unangenehme Gänsehaut aus.

Das findest du am besten heraus, in dem du unterschiedliche Modelle in die Hand nimmst. Entweder in einem Laden (manche lassen dich auch gerne mal ein wenig mit der Ausrüstung spielen, bevor du einen Kauf tätigst), oder bei Freunden und Bekannten, die eventuell ähnliche Modelle besitzen. Manchmal ist es auch eine gute Idee, sich das vermeintliche Traum-Kameramodell für eine gewisse Zeit zu leihen.

Nutze ich das richtige Objektiv für meine Bedürfnisse?

Das Objektiv ist deutlich wichtiger, als die Kamera selbst. Und auch hier kommt es stark auf deine persönlichen Bedürfnisse an.

Es gibt tatsächlich keine Objektiv-Art, von der ich ausdrücklich abraten könnte. Selbst sogenannte Superzooms haben ihre Daseinsberechtigung und erfüllen ihren ganz speziellen Zweck, auch wenn sie meist einige Abstriche bei der Bildqualität machen müssen.

Für mich hat sich – je nach Einsatzzweck – folgende Faustregel etabliert:

  • Kann ich mich frei im Raum bewegen?
  • Kann ich den Bildausschnitt frei wählen?

Dann tendiere ich zu Festbrennweiten. Mit diesen zu Fotografieren macht mir zum einen mehr Spaß, die Abbildungsqualität ist überwiegend besser und besonders wichtig: Sie strengen meine grauen Zellen mehr an.

  • Ist meine Bewegungsfreiheit eingeschränkt?
  • Befinde ich mich in einem Verkehrsmittel?

Hier tendiere ich zu Zoom Objektiven, da mir letztendlich mehr Spielraum bei der Bildgestaltung bleibt.

Kleine Zusammenfassung

Lass Testberichte, Newsletter und aufdringliches Marketing links liegen! Nichts davon hat in irgendeiner Form Einfluss auf deine Fotografie. Keine neue Kamera macht deine alte schlechter. Wenn dir ein Bild nicht gelingt – lerne daraus – schaue nicht zu sehr auf dein Equipment, sondern übe und trainiere die Fähigkeiten. In den seltensten Fällen hilft dir ein anderes Equipment bei der Qualität deiner Fotografie. Wenn überhaupt geschieht dies bei der technischen Bildqualität, die Aussage deines Bildes bleibt die gleiche.

Wenn du bereits eine Fotoausrüstung hast:

Solange deine Fotoausrüstung funktioniert und du diese gerne zur Hand nimmst, brauchst du nichts zu ändern.

Für den Fall, dass du gerade dabei bist, dir deine erste „gute“ Kamera zu kaufen:

Nehme unterschiedliche Modelle in die Hand und fotografiere mit ihnen. Wähle die Kamera, die dir am besten liegt und mit der du dich wohlfühlst. Technisch gesehen machen sie alle gute Bilder!

Gehe raus und nutze deine Ausrüstung. Beobachte Natur, Menschen oder die Architektur und überlege, wie du mit deinen Fotos Momente einfangen und Geschichten erzählen kannst. Denn genau das ist Fotografie!

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