Die wunderschöne Altstadt von Palermo – Ein Rundgang

Die wunderschöne Altstadt von Palermo – Ein Rundgang

„Ihr fahrt nach Palermo, ist da nicht überall die Mafia?“ Das war die erste Frage, die wir gehört haben, als wir von unseren Reiseplänen in die Altstadt von Palermo erzählt hatten. Aber nein – als Reisende:r nach Palermo braucht ihr wirklich keine Angst zu haben, denn Palermo ist nicht nur eine der spannendsten und vielschichtigsten Städte Europas – sondern zählt mittlerweile auch den sichersten.

Gedanken über die Mafia müsst ihr euch hier also heutzutage schon mal keine mehr machen – es sei denn, ihr wollt euch ein wenig mit der Geschichte dieser wunderschönen Sizilianischen Stadt auseinandersetzen.

Viel mehr als nur Cosa Nostra

Sizilien – insbesondere die Städte Palermo und Corleone – werden häufig mit der Cosa Nostra in Verbindung gebracht. Doch deren Tage sind gezählt, so heißt es zumindest. Betrachtet man die mittlerweile vergleichsweise niedrigen Kriminalitätsraten der Stadt Palermo, scheint dies auch durchaus zu zutreffen!.

Doch Palermo ist so viel mehr, als die Stadt mit der Mafia-Vergangenheit. Seit der Antike haben sich auf Sizilien viele Eroberer die „Klinke in die Hand“ gegeben und dabei jeweils ihre ganz besondere Note aufgedrückt. Eine Vielzahl architektonischer und kultureller Hinterlassenschaften zeugen noch heute von faszinierenden Zeiten – natürlich vor allem in der Altstadt von Palermo. So finden sich unter anderem Spuren der alten Griechen und nordafrikanischen Emiren, der Römer und normannischen Könige, von staufischen Kaisern und republikanischen Rothemden – und ja: auch Spuren der Cosa Nostra, der Mafia, sind heute noch zu finden.

Palermo lockt abenteuerlustige Tourist:innen mit seinen berühmten Märkten, wunderschönen Plätzen, Kneipenmeilen, zeitgenössischer Kunst und Street-Art, seiner vielseitigen Architektur und natürlich auch seiner wunderschönen Altstadt mit klassisch italienischem Flair (ja – letzteres bedeutet auch, dass hin und wieder mal ein wenig Müll auf der Straße liegt)!

Anreise und Wahl der Unterkunft

Die Flugdauer nach Palermo gestaltet sich als relativ kurz – zwischen 1,5 und 2 Stunden sollte man in etwa einplanen. Somit ist man je nach Flugplan also in etwa um die Mittagszeit in der sizilianischen Hauptstadt und kann bereits am frühen Nachmittag mit der Erkundung der Altstadt beginnen! Ideale Umstände also, wenn du so wie wir einen Kurztrip von ungefähr 3-5 Tagen planst, um dir die Altstadt von Palermo mal näher anzusehen!

Nach der Landung findet ihr direkt am Flughafen einen Shuttle-Bus, der euch in ca. 35 Minuten ins Stadtzentrum befördert. Hierbei fallen (im April 2023) 6 € pro Fahrgast an. Ein wirklich fairer Preis! Wer es gerne ein wenig exklusiver möchte, kann natürlich auch das Taxi wählen. Letzteres schlägt dann allerdings auch mit etwa 45 € zu Buche. Ganz ehrlich: Der Bus erfüllt seinen Zweck mit Bravour!

Flugzeug | Flügel | Flug über die Alpen
Blick aus dem Fenster beim Flug über die Alpen.

Es empfiehlt sich, eine Unterkunft in der Nähe der Altstadt von Palermo zu beziehen. Dadurch lässt sich anschließend fast alles fußläufig erkunden – Palermo ist nun wirklich keine riesige Metropole. Hierbei haben wir uns für ein relativ neues B&B ganz in der Nähe des Segelhafens entschieden. Somit waren wir ein wenig abseits der Tourimeilen, konnten den Stadtkern aber innerhalb von circa 10 Minuten zu Fuß erreichen. Als Vorbereitung auf unseren Trip nach Palermo haben wir uns mangels verfügbarer Reiseführer (einen einzigen haben wir gefunden) in erster Linie in den Weiten des Internets informiert. Falls du demnächst nach Palermo reisen möchtest, findest du hier eine tolle Zusammenfassung interessanter Sehenswürdigkeiten.

Meine Highlights von Palermos Altstadt für Fotograf:innen und für Kurzurlauber habe ich dir ebenfalls bereits hier auf blitzeria kurz zusammengefasst.

Ein erster Stadtspaziergang durch Palermo

Es ist kurz vor drei Uhr Nachmittags und wir sind soeben an unserer Unterkunft angekommen: Was tun, mit solch einem angebrochenen Tag? Immer wenn wir in einer neuen Stadt sind, versuchen wir uns zunächst einen ersten Überblick zu verschaffen. Karten sind zwar gut und recht – aber manchmal findet man einfach tolle Überraschungen gerade ein wenig abseits der üblichen Wege. Deshalb empfiehlt es sich unserer Meinung nach immer, zunächst mit einem kleinen Stadtspaziergang durch die Altstadt zu starten.

Nachdem wir uns in unserem Zimmer eingerichtet hatten, haben wir uns also direkt auf den Weg in Richtung Quattro Canti gemacht. Dieser stellt den Dreh- und Angelpunkt Palermos Altstadt dar und eignet sich dadurch natürlich hervorragend als erste Zwischenetappe unserer Erkundungstour.

Der Platz vor dem Teatro Massimo

Unsere erste Erkundung von Palermos Altstadt beginnt ca. 10 Minuten Fußmarsch von unserem Hotel entfernt auf dem Vorplatz des Teatro Massimo – der Piazza Verdi.

Das Teatro Massimo ist ein Bauwerk, das man durchaus als „monumental“ bezeichnen könnte. Immerhin handelt es sich hierbei um das größte Opernhaus Italiens und das drittgrößte Europas. Errichtet wurde das prächtige Gebäude in den Jahren 1875 bis 1897 von Giovanni Battista Filippo Basile und seinem Sohn Ernesto. Allerdings musste das Opernhaus im Jahr 1974 aufgrund baulicher Mängel bereits wieder geschlossen werden. Und so blieb es für sage und schreibe 23 Jahre geschlossen. Von der damaligen Stadtverwaltung und der Mafia wurden in diesen Jahren viel Geld verschoben, vor allem wohl in die eigenen Taschen. Allerdings wurde nie wirklich mit der Sanierung begonnen. Erst 23 Jahre nach der Schließung sorgte der damalige Bürgermeister Leoluca Orlando für die Wiedereröffnung. Mit einem Eröffnungskonzert der Berliner Philharmoniker im Mai 1997 wurde es schließlich zu einem Symbol im Widerstand gegen die Mafia, der Korruption und damit auch zum Wandel der Stadt Palermo.

Auf der Piazza tummeln sich gerne junge Leute, Schulklassen und Straßenmusiker:innen.

Während manche wohl eher tief in ihre Smartphones versunken zu sein scheinen, betrachtet der Großteil der Besucher den prunkvollen Eingangsbereich des Teatro Massimo.

Als wir im März die Altstadt von Palermo besuchen, kann von Touristenmassen noch nicht die Rede sein! Wir können gemütlich über die Piazza Verdi schlendern und ganz in Ruhe die Säulen des Teatro Massimo auf uns wirken lassen. Wie ihr auf den Bildern wahrscheinlich bereits erkennen könnt: Es ist ein angenehmes Pullover-Wetter – unserer Meinung nach perfekt für einen Citytrip.

Der Weg Richtung Quattro Canti

Um vom Teatro Massimo zu den Quattro Canti zu gelangen, schlendern wir gemütlich die Via Maqueda entlang. Dabei handelt es sich um eine Fußgängerzone, die wir in Deutschland wohl eher als verkehrsberuhigten Bereich bezeichnen würden. Es wirkt ein wenig, wie ein buntes miteinander aus Autos, Rollerfahrer:innen und Touristen.

Vorbei an Läden, Restaurants und Straßencafés nähern wir uns unweigerlich unserem Etappenziel. In entgegengesetzter Richtung wären wir auf Shopping-Tour gegangen – dort liegt die Einkaufsmeile der Altstadt von Palermo – vielleicht ein andermal. 😉

Auf dem Weg Richtung Quattro Canti bestaunen wir die toll erhaltenen Häuserfronten, wundern uns ein wenig, wie es die Rollerfahrer:innen unbeschadet durch das Gewusel schaffen und machen uns schon mal erste Gedanken, über unser Abendessen.

Quattro Canti – Dreh- und Angelpunkt der Altstadt von Palermo

Hier schneiden sich die beiden Hauptachsen Palermos: die nordsüdlich ausgerichtete Via Maqueda und der ostwestlich verlaufende Corso Vittorio Emanuele.

Offiziell trägt dieser Kreuzungspunkt übrigens den Namen Piazza Vigliena. Der Name Quattro Canti bezieht sich dabei auf den Stil der vier umrahmenden Gebäude aus der Spätrenaissance, deren Fassaden reich verziert sind und Statuen von Heiligen, Königen und Schutzpatronen zeigen. Diese machen den Platz zu dem wohl fotogensten Platz der Stadt – 100% Instagrammable und auch ein absoluter Besuchermagnet, besonders in den Abendstunden.

Das Zusammenspiel der Architektur, der kunstvollen Verzierungen und der geschäftigen Atmosphäre macht die Quattro Canti zu einem perfekten Ausgangspunkt für die Erkundung der historischen Altstadt von Palermo. Von hier aus kannst du in verschiedene Richtungen schlendern und die reiche Geschichte und Kultur der Stadt entdecken.

Ich hätte mir im Nachhinein ein Objektiv mit ein wenig kürzerer Brennweite gewünscht, um den „Blick in den Himmel“ an den Quattro Canti einzufangen. So kam immerhin das iPhone mit seinem Ultraweitwinkel mal wieder zu Einsatz. Memo an mich selbst: Ein Objektiv mit 8 bis 12 mm Brennweite an der Fuji X-T5 wären schon mal eine tolle Investition, um enge Gassen von Altstädten ein wenig flexibler einfangen zu können. Aktuell (Ende 2023) liegt meine weiteste Brennweite mit dem Tamron 17-70mm f 2.8 bei 17mm, da geht also noch was!

Die Piazza Pretoria – Der Platz der Schande

Etwas südlich der Quattro Canti betreten wir die Piazza Pretoria. Der Platz hat seinen Namen vom Palazzo Pretorio, dem ehemaligen Gerichtspalast Palermos. Die Piazza wurde im 16. Jahrhundert angelegt, um dort den lange umstrittenen Brunnen Fontana Pretoria zu errichten. Kritisiert war der massive Brunnen vor allem durch die Nacktheit der Statuen, wegen derer er vermutlich damals den Namen Piazza della Vergogna (Platz der Schande) erhielt.

Ursprünglich waren die Statuen des Brunnens interessanterweise für den Park eines Schlosses in Florenz gefertigt worden, der so aber letztlich nie realisiert wurde. So verkauften die Auftraggeber aus finanzieller Not die Statuen 1573  an die Stadt Palermo. Sämtliche Statuen wurden also in insgesamt über 600 Teile zerlegt, verschifft und 1574 in Palermo wieder zusammengesetzt. Eine „Win-Win-Situation“ möchte man meinen – allerdings hatte damals wohl niemand mit den prüden Bewohnern des damaligen Palermo gerechnet. Diese nahmen nämlich Anstoß an den überwiegend nackten Statuen von Flussgöttinnen und Nymphen, die die Geländer und Treppen der Fontana Pretoria zieren. Der Brunnen musste um Vandalismus zu vermeiden umzäunt werden, da immer wieder Teile der Marmorstatuen abgeschlagen wurden. Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Brunnen gründlich restauriert.

Piazza Bellini

Ein paar Meter in Richtung Süden gelangt man auf die Piazza Bellini, gegenüber der Universität (Facoltà di Giurisprudenza). Die Piazza formt ein „großes L“, umrahmt von der Rückseite des Palazzo Pretorio und den Kirchen San Cataldo, La Martorana (Santa Maria dell’Ammiraglio) und Santa Caterina. Die Piazza ist von historischen Gebäuden gesäumt, besonders hervor sticht dabei die Kirche San Cataldo, deren rote Kuppeln charakteristisch für die normannisch-arabische Architektur der Stadt sind.

Die Piazza ist ein beliebter Treffpunkt für Künstler und Musiker, die das Flair mit ihrer Kunst bereichern. Die Straßenmusik schafft auch hier eine entspannte Atmosphäre, während du die historische Umgebung genießt.

Lokale Cafés laden dazu ein, einen Espresso zu genießen und dabei das bunte Treiben auf dem Platz zu beobachten.

Übrigens: Ursprünglich hieß der Platz „Piano della Corte“ (Ebene des Gerichts), da der Palazzo Pretorio (ehemaliges Gerichtsgebäude, heutiges Rathaus) zu dieser Seite seinen Haupteingang hatte. Der Zugang zu den Gebäuden, die auf unterschiedlichem Niveau lagen, war über verschiedene Treppen gewährleistet.

Bei der Umgestaltung des Platzes wurde das Terrain umfangreich eingeebnet. Dadurch stehen die beiden Kirchen San Cataldo und La Martorana heute auf einer erhöhten Terasse, die nur über eine Treppe zugänglich ist.

Auf dem Weg zum Yachthafen von Palermo

Nach einer kurzen Stärkung ging es weiter in Richtung Yachthafen – dem vorerst letztem Ziel auf unserem kurzen Stadtrundgang. Hierbei haben wir uns entschlossen, einfach durch die Gassen zu schlendern und nicht den direkten Weg über den Corso Vittorio Emanuele zu nehmen.

Die Altstadt von Palermo wirkt dabei wie ein lebendiges Gemälde, durchzogen von verwinkelten Gassen und voller einzigartiger Atmosphäre. Bei einem Spaziergang durch diese charmanten Straßen kannst du tief in die Seele der Stadt eintauchen:

Geschichte zum Anfassen: Jede Gasse erzählt ihre eigene Geschichte, von arabischen Einflüssen bis zum barocken Erbe. Die historische Architektur entfaltet sich vor deinen Augen und lässt dich die Vergangenheit Palermos förmlich spüren.

Das Labyrinth der Sinne: Verliere dich in den engen Gassen, die von farbenfrohen und auch manchmal etwas maroden Häusern gesäumt sind. Der Duft von frischen Gewürzen, das Rauschen der Einheimischen und das bunte Treiben der Straßen schaffen eine ganz besondere Atmosphäre, die wir so noch in keiner anderen europäischen Stadt erlebt haben.

Kulinarische Entdeckungen: Die Gassen der Altstadt von Palermo beherbergen eine Fülle von kleinen Cafés, Restaurants,Märkten und Streetfood-Ständen. Probiere unbedingt mal lokale Köstlichkeiten auf den Märkten wie dem Mercato di Ballarò oder genieße einen Espresso in einem der charmanten Cafés.

Kunst an jeder Ecke: Die Altstadt ist ein lebendiges Kunstwerk. Straßenkünstler prägen das Stadtbild, während kleine Galerien und Handwerksläden lokale Kreativität und Kunsthandwerk präsentieren.

Die Marina von Palermo

So langsam beginnt sich die Sonne bereits zu verabschieden und es kühlt ab. Umso mehr Spaß macht es, am Yachthafen entlang zu schlendern. Die tief stehende Sonne sorgt für ein tolles Relief aus schaukelnden Masten – auch Spiegelungen im Hafenbecken lassen sich jetzt toll beobachten und auf dem Sensor konservieren.

Wir befinden uns hier aktuell in La Cala (übersetzt „kleine Bucht“), dem ältesten Teil des Hafens von Palermo. An exakt dieser Stelle nahm die Geschichte von Palermo seinen Anfang! Vor 3000 Jahren fanden die Phönizier mit der Bucht einen nahezu perfekten Naturhafen vor und gründeten das heutige Palermo. Bis 2007 war La Cala allerdings lediglich ein normaler Hafen und nicht gerade ansehnlich. Man entschloss sich, den Hafen gründlich zu sanieren und in eine Marina (Yachthafen) umzuwandeln um so das Spektrum der Sehenswürdigkeiten der Altstadt von Palermo zu erweitern und zusätzliche Touristen anzulocken.

Kurze Pause

Nach dem Besuch des Hafens wurde es so langsam zu kühl. Wie praktisch, dass unser B&B ganz in der Nähe liegt. Jetzt brauchen wir erst einmal eine kurze Pause.

Im nächsten Beitrag nehmen wir euch mit auf die Jagd nach unserem Abendessen durch das nächtliche Palermo. Bis dahin findest du hier noch ein paar Zahlen, Daten und Fakten zur Sizilianischen Hauptstadt.

Palermo in Zahlen, Daten und Fakten

  • geographische Lage: Nordküste Siziliens
  • Hauptstadt von Sizilien
  • im 8. Jahrhundert vor Christi gegründet
  • Einwohner: 676.000  – damit ist Palermo die fünft-größte italienische Stadt (Stand 12/2023)
  • Universität: Università degli Studi di Palermo mit ca. 50.000 Studenten
  • Europas Street Food Hauptstadt 2015
  • Europas größter Botanischer Garten steht in Palermo
  • In Palermo wurde die Eiscreme erfunden

Und ganz besonders für die Eiscreme sind wir natürlich äußerst dankbar! 🙂

Bis dahin: Frohes Knipsen! Der nächste Beitrag dieser kleinen Reihe sollte in ca. einer Woche hier auf blitzeria.eu erscheinen!

Christopher

Fotowalks Projekt – Steetphotography powered by blitzeria.eu